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Das Pareto-Prinzip

Pareto war ein schneidiger und – weil von einem Faschisten hochgelobt (eine Verbindung Paretos zu rechten Kreisen ist mir jedoch nicht bekannt)– auch umstrittener Ökonom und Soziologe, der von 1848 bis 1923 lebte.

Nach seiner Ausbildung zum Ingenieur begann seine bewegte Karriere als Leiter von Kohlebergwerken. Später wurde er Professor für politische Ökonomie an der Universität von Lausanne in der Schweiz und damit der Nachfolger von Leon Walras.

Im Jahr 1896 entdeckte der damals 48-jährige Vilfredo Pareto bei einer Untersuchung des Volksvermögens Italiens, dass die Einkommensverteilung nicht einer Normalverteilung folgt, sondern rechtsschief ist.  Dies ist die Geburtsstunde des Pareto-Gesetzes, welches er in seinem bahnbrechenden Werk „Cours d’economie politique“ veröffentlichte. Leider wurde dieses „Gesetz“ (eine sehr unkritische Formulierung!) kaum beachtet. Heute ist Sie  als Pareto-Verteilung, Pareto-Prinzip oder seit Richard Kochs Bestseller als 80/20-Prinzip bekannt:

Was Pareto bei seinen Studien festgestellt hatte, klingt nach Wirtschaft, Mathematik und komplizierter Forschung, eigentlich ist seine Erkenntnis einfach: Der Wohlstand der Gesellschaftsmitglieder ist extrem ungleich verteilt –  80% des Vermögens hatten 20% der Bevölkerung.

Dieses Prinzip lässt sich auch außerhalb der Wirtschaftswelt anwenden: Pareto fand diese unerwartete Gesetzmäßigkeit auch bei seiner geliebten Gartenarbeit: Gregor Mendel hatte an seinen Erbsen im 18. Jahrhundert die Grundgesetze der Vererbungslehre abgeleitete, Paretos Blick fiel auf die Produktionsleistung der Erbsen: 80 Prozent der Erbsen brachten 20% der Pflanzen hervor. Neugierig geworden, entdeckte er, dass das 80/20-Prinzip auch noch in vielen anderen natürlichen und gesellschaftlichen Vorgängen gilt.

Paretos Prinzip lässt sich so zusammenfassen:

20 Prozent des Inputs ergeben 80 Prozent des Outputs.

Anders gesagt:

  • 80% der Gewinne erzielen Unternehmen mit 20% ihrer Produkte.
  • 80% der Probleme entstehen aus 20% der Anlässe.
  • 80% Ergebnisse resultieren aus 20% des Aufwandes.
  • 80% Ihres Wissens beziehen Sie aus 20% dieses Artikels.

Bevor ich das Pareto-Prinzip kannte, war ich Perfektionist. Ich habe zum Beispiel endlos viel gelernt, wahllos viel gelesen und unendlich oft und lange Arbeiten überarbeitet und viel mehr aufgeräumt als ich Zeit hatte, wieder Unordnung zu stiften. Nachdem ich das Pareto-Prinzip im Alltag hier und da ausprobiert hatte, habe ich eine Konsequente Analyse begonnen:

  • 80% der Arbeiten erledige ich mit 20% der Materialien. Alles andere landete im Müll.
  • 80% meiner Alltagskleidung machten 20% meines Kleiderschranks aus.
  • 80% meines schulischen Könnens entstanden durch  20%  meiner Lerntätigkeit.
  • 80% der Informationen fanden sich in 20% meiner Mitschriften (Mind Mapping änderte das!)
  • 80% meines Spaßes machten 20% der Dinge aus, die ich als meine Hobbies, Kontakte und Beschäftigungen bezeichnete.
  • 80% der Lerninhalte ließen sich auf 20%  Lern- und Wiederholungsaufwand reduzieren: Mind Mapping, Speed Reading und Gedächtnistraining.
  • 80% meiner Konzentration raubten 20% der Aufgaben: Selbstmanagement.
  • 80% des Inhalt dieses Textes machen 20% der Sätze aus.
  • 80% meiner Trainingsziele im Sport ließen sich mit 20% Trainingsaufwand erreichen.

Was Sie noch wissen sollten: 80/20 ist das Minimum. Verhältnisse von 90/10, 95/10 oder 99/1 kommen oft vor.

Erscheint Ihnen Mittelmäßigkeit als Unsinn?

Fürchten  Sie in dem Fall Langeweile? Als ich mich auf das Pareto-Prinzip konzentriert habe, konnte ich zwei Dinge feststellen:

  1. Wenn man nur versucht, mittelmäßig zu sein, wird man keinen Erfolg haben. Pareto fordert uns zu einer besonderen Mittelmäßigkeit auf: Wir müssen nicht einfach vorne und hinten etwas bei der Arbeit weglassen, sondern uns auf die 20% konzentrieren, die 80% des Gewinns ausmachen. Diese 20% muss man dafür aber zunächst finden und genau analysieren.
  2. 80% sind keine 100%. Möglicherweise haben Sie nachher nicht den Erfolg, den Sie bei purem Perfektionismus erzielt hätten. Aber: Das neue, konzentrierte Handeln wird sich als sehr befriedigend erweisen. Befriedigender, als alles, was sie vorher kannten.

Warum? David Burns, US-Amerikanischer Psychiater an der Stanford University School of Medicine, hatte dafür eine schöne Erklärung: Hinter der verlockenden Türe der Vollkommenheit findet man eine Ziegelmauer. Wer sie durchbricht holt sich eine blutige Nase. Hinter der Tür mit der Aufschrift Mittelmaß findet man das Paradies. Nur wer ist schon gerne mittelmäßig…

Früher habe ich versucht an schulische/berufliche Aufgaben mit Perfektionismus heranzugehen. Das eine Problem dabei ist, dass es zu jedem Zeitpunkt besser geht. Einen solchen, kranken Perfektionismus sollte man sich schnell abgewöhnen.

Das andere Problem ist, dass es die Mühe meistens nicht wert ist, sich über die Maße anzustrengen – es gibt Ausnahmefälle: Die 20% aller Aufgaben, die 80% des Gesamterfolges bringen (beispielsweise das Abitur).

Was ich Ihnen sagen will:

Bremen Sie sich ab und machen Sie sich endlich klar: 80% des Aufwandes sind nutzlos. (Wenn wir uns bei unserem Tun vergnügen, kann es nicht nutzlos sein – es macht ja Spaß.) Stattdessen sollten Sie ganz genau hingucken, wo die Goldstücke liegen und dann zugreifen. Analyse und konzentriertes Arbeiten. Den Rest können Sie einfach ignorieren. Wer zu wenig Zeit zum Leben hat, hat zu wenig ausgewählt. Gewinnen Sie einen Überblick über Ihre Zeit und canceln Sie alles, was Sie nur unnötig aufhält – oder zählen Sie Erbsen.

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